Schleichendes Ende: Das Telegramm

(Erscheint in philatelie  549 - März 2023)

 

In der philatelie 477 – März 2017 hatte der Autor über das Telegramm in der Gegenwart geschrieben.

Schon damals war die Frage, ob im heutigen Kommunikationszeitalter, in dem fast jeder ein Handy oder Smartphone hat, ein Telegramm noch genutzt wird. Da die Nutzerzahlen anscheinend deutlich zurück gingen und nach entsprechenden Analysen von Sendungsnummern, die zum 1. Juli 2016 eingeführt worden waren, teilweise auf ca. 1 bis 2 Telegramme pro Woche je Briefzentrum hindeuteten, wurde es relativ still und heimlich zum 31. Dezember 2022 beerdigt. An diesem Tag konnte man sich letztmals ein Telegramm zustellen lassen. Aus diesen Anlass bietet es sich an, den einen oder anderen postgeschichtlichen Ausschnitt aus mehr als 150 Jahren Telegrammgeschichte vorzustellen.

151 Jahre altes Telegramm vom 20. April 1871 aus Petersburg (Russland) nach Berlin mit einem Geldgeschäft über 5300 Pfund Sterling
151 Jahre altes Telegramm vom 20. April 1871 aus Petersburg (Russland) nach Berlin mit einem Geldgeschäft über 5300 Pfund Sterling

 

Einführung

 

Laut Wikipedia ist ein Telegramm eine mit Hilfe akustischer, optischer oder elektrischer Geräte telegrafisch übermittelte Nachricht. Im Fall der Übermittlung mithilfe von Funktechnik spricht man auch von einem Funktelegramm. Anfangs war laut Wikipedia auch oft von „telegrafischer Depesche“ die Rede. Den Ausdruck Telegramm prägte aber schon 1852 E.P. Smith aus Rocherster (USA). Wann genau nun in Deutschland tatsächlich erstmals Telegramme von der Post eingesetzt wurden, konnte der Autor bei Wikipedia nicht ermitteln. Aufgrund eines Telegrammvordrucks vom Norddeutschen Bund aus dem Jahr 1871 muss es diese postalische Versendungsform aber mindestens 151 Jahre gegeben haben. Erwähnt wird bei Wikipedia in den dürftigen Informationen noch, das es ab 1927 einen Probebetrieb der Bildtelegrafie gegeben hat.

 

Allgemein kann man sagen, das es um eine sehr schnelle Nachrichtenübermittlung ging. Zu jener Zeit befand sich das Telefon erst im Aufbau und war noch nicht sehr weit verbreitet. Das Telegramm stellte also Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts eine sinnvolle Einrichtung dar, da es kaum (private) Telefonanschlüsse gab. Gleichzeitig war die Laufzeit von Briefen im Vergleich zum Telegramm deutlich länger, da die Telegramme ja elektrisch bis zum Eingangsort übertragen wurden, um dann vor Ort schnellstmöglich durch besondere Boten überbracht zu werden. In Berlin wurden Telegramme sogar besonders schnell mittels Rohrpost befördert.

Telegramm aus dem Jahr 1914 aus Berlin, aufgegeben am 25. Dezember 1914 (1. Weihnachtsfeiertag) um 11 Uhr 40 – Ankunft in Berlin Steglitz schon um 12 Uhr 10. ja das war noch ein Service
Telegramm aus dem Jahr 1914 aus Berlin, aufgegeben am 25. Dezember 1914 (1. Weihnachtsfeiertag) um 11 Uhr 40 – Ankunft in Berlin Steglitz schon um 12 Uhr 10. ja das war noch ein Service

Während der Blütezeit der Telegramm-Nutzung in Deutschland waren der Postdienst, Telefondienst und Telegrafendienst unter einem gemeinsamen Dach, sowohl bei der Reichspost, Bundespost als ach Deutscheb Post der DDR. Selbst zu Wiedervereinigungszeiten war das Telegramm oft die einzige und schnellste Kommunikationsmöglichkeit, da es in der damaligen DDR selten private Telefonanschlüsse gab.Handys oder Internet waren außerdem zur damaligen Zeit noch nicht verbreitet.

 

Im Rahmen der folgenden Postreformen und der Umstrukturierung wurde das Telegramm dann zeitweilig dem Telekombereich zugeschlagen. Am 1. Januar 1999 gab es eine Rolle rückwärts: Das Telegramm wurde wieder der gelben Post, genauer gesagt dem Expressbereich, übergeben. Bis Ende Februar 2003 wurde das Telegramm als Expresssendung zugestellt. Ab dem 1. März erfolgte die Zustellung nur noch als normaler Brief, die besondere Schnelligkeit war also nicht mehr erwünscht und die Sonntagszustellung wurde abgeschafft.

Ab und zu sind auch die Rückseiten eines Telegramms bedrucktL Ein sehr interessanter Vordruck aus dem Jahr 1953, erkennbar am Druckvermerk, mit vielen Informationen rund ums Telegramm. Unten stehen zum Beispiel wichtige Abkürzungen
Ab und zu sind auch die Rückseiten eines Telegramms bedrucktL Ein sehr interessanter Vordruck aus dem Jahr 1953, erkennbar am Druckvermerk, mit vielen Informationen rund ums Telegramm. Unten stehen zum Beispiel wichtige Abkürzungen

Da die Zusteller die Telegramme oft ohne zu klingeln einfach in den Briefkasten eingeworfen haben, wurde zum 1. Juli 2016 ein Linearbarcode in den Fensterbereich des Telegramms integriert. Dieser musste vor der Zustellung gescannt werden und nach der Zustellung musste der Zusteller angeben, ob das Telegramm persönlich übergeben oder mangels Anwesenheit des Empfängers im Briefkasten eingelegt wurde.

 

Begründet wurde dies von der Post damit, das der persönliche Zustellversuch das entscheidende Produktmerkmal wäre, das den hohen Preis begründe. Wo aber der Nutzen dieses Dienstes im Vergleich zum längst vorhandenen Internet, Smartphone und SMS liegen sollte, war nicht mehr klar. Diese systematischen Verschlechterungen des Services Telegramm führten sicher zusätzlich zur schnellen Abnahme dieses Angebotes.

 

Aufgrund vereinzelter Sendungsnummern konnte man leicht Aussagen zur Nutzung machen. 2022 dürfte die durchschnittliche Nutzung in den Briefzentren pro Woche bei ein bis zwei Telegrammen gelegen haben. Im Vergleich dazu handelte es sich 1978 um 13 Millionen Telegramme , zur Wendezeit 1990 waren es immerhin noch 1,3 Millionen Telegramme.

 

Da sich bei solchen Nutzerzahlen der Aufwand zur Aufrechterhaltung der entsprechenden Infrastruktur nicht mehr gerechnet haben dürfte, wurde einfach im Laufe des Novembers den Zustellern still und leise mitgeteilt, das Ende des Jahres Schluß mit dieser Dienstleistung wäre. Das Auslandstelegramm war ja schon 2018 abgeschafft worden.

 Im Falles einer telegraphischen Postanweisung gab es extra Benachrichtigungszettel, hier mit dem Stempel Fernmeldeamt Bonn 15. August 1957
Im Falles einer telegraphischen Postanweisung gab es extra Benachrichtigungszettel, hier mit dem Stempel Fernmeldeamt Bonn 15. August 1957

 

Einige postgeschichtliche Spuren

 

Für Sammler und Philatelisten stellt sich nun aber die Frage, welche postgeschichtlichen Spuren es gibt. Diese Spuren hängen natürlich auch von der jeweiligen Zeit ab, Ein gelaufenes Telegramm aus dem Jahr 1871 vom norddeutschen Bund ist eine Spur aus den ersten Jahren. Dem Autor liegen vor allem Belege aus der Zeit ab den 1930er Jahren vor. Beleuchtet werden speziell Belege nach 1945.

 

Aufgeben konnte man ein Telegramm am Schalter, über einen Fernsprech-Anschluß, später auch über einen Telex-Anschluß. Es bestanden verschiedene Optionen: Als gewöhnliches Telegramm, als Blitztelegramm, als Brieftelegramm, als Telegramm im Geldverkehr, beispielsweise als telegraphische Postanweisung Inland, als Funktelegramm, als SS-Telegramm der Deutschen Post oder als Schmuckblatt-Telegramm.

Ein Postflyer aus dem Jahr 1999 mit den zu diesem Zeitpunkt vorhandenen Schmuckblättern
Ein Postflyer aus dem Jahr 1999 mit den zu diesem Zeitpunkt vorhandenen Schmuckblättern

Für die Erfassung dieser Telegramme gab es entsprechende Vordrucke, die sich im Laufe der Zeit etwas änderten. Diese Änderungen betrafen aber oft nur den jeweiligen Druckvermerk sowie leichte Layoutänderungen, je nach aktuellen Stand des Druckauftrags. Diese ausgefüllten Formulare enthielten natürlich die Absenderangaben, Hinweise über den Laufweg des Telegramms, den Empfänger sowie natürlich die zu übermittelte Nachricht und die zu entrichtenden Gebühren, die sich nach der Anzahl der Worte richteten.

 

Um Kosten zu sparen, gab es beispielsweise die Option die Empfängeradresse in bestimmter Weise abzukürzen. Dies musste aber vorher mit der Post vertraglich vereinbart werden. Dazu gab es dann spezielle ergänzende Formulare und Empfangsbestätigungen, die teilweise auch mit entsprechenden internen Poststempeln versehen waren.

 Empfangsbescheinigung vom Haupttelegraphenamt Berlin zur Vereinbarung über die Kurzanschrift mit Innendienststempel H.T.A. Berlin N vom 22.11.26 – 19 Uhr 30
Empfangsbescheinigung vom Haupttelegraphenamt Berlin zur Vereinbarung über die Kurzanschrift mit Innendienststempel H.T.A. Berlin N vom 22.11.26 – 19 Uhr 30

Je nach Aufgabe des Telegramms erfolgte die Bezahlung, oft in bar oder mit dem Einzug der Fernmelderechnung. In einigen Fällen wurde das Entgelt aber auch in Form von Briefmarken auf dem Telegrammformular auf der Rückseite verklebt und mit dem Tagesstempel vom Aufgabepostamt entwertet.

 Rückseite eines Telegramms aus Bremen nach Flensburg vom 10-April 1963, bei der die Gesamtgebühren in Höhe von 6,60 DM verklebt und mit Tagesstempel aus Bremen entwertet wurden (Wortgebühr 4,60 + sonstige Gebühren 2,00) Diese sonstigen Gebühren beziehen sich auf den Zusatz „RP“ = Antwort in Höhe von 2 DM vorausbezahlt.
Rückseite eines Telegramms aus Bremen nach Flensburg vom 10-April 1963, bei der die Gesamtgebühren in Höhe von 6,60 DM verklebt und mit Tagesstempel aus Bremen entwertet wurden (Wortgebühr 4,60 + sonstige Gebühren 2,00) Diese sonstigen Gebühren beziehen sich auf den Zusatz „RP“ = Antwort in Höhe von 2 DM vorausbezahlt.

Selbst eine Freimachung mittels eines Absenderfreistemples wäre möglich gewesen, wenn es sich um eine Firma gehandelt hätte. Wollte man eine Quittung für das aufgegebene Telegramm haben, gab es entsprechende Aufgabebescheinigungen, auf denen diese gebührenpflichtige Bestätigung mittels verklebter Briefmarken dokumentiert wurde.

Eine Aufgabenbescheinigung für ein am 4. August 1947 verschicktes Telegramm, die damals zusätzlich 10 Pfennig kostete
Eine Aufgabenbescheinigung für ein am 4. August 1947 verschicktes Telegramm, die damals zusätzlich 10 Pfennig kostete

Auf den Telegrammvordrucken finden sich je nach Laufweg unterschiedlichste Stempel, die manuell abgeschlagen wurden und Hinweise auf den Absendeort oder das Übermittlungspostamt sowie genaue Datumsangaben mit exakter Uhrzeit enthalten. Wurden die Telegramme beispielsweise mit Rohrpost in Berlin befördert, trugen sie oft Abschläge von den Absendeort der Rohrpoststation oder einen Poststempel vom Übermittlungspostamt. Die Besonderheit bei diesen Stempeln ist die Uhrzeitangabe, die nicht nur die Stunden sondern auch die Minuten im 10er-Abstand aiswies. Diese speziellen Stempel wurden von den Berliner Sammlern gut dokumentiert.

 

Das Telegramm konnte in unterschiedlicher Form zugestellt werden, beispielsweise per Telefon. Trotzdem wurde dieses danach von Boten physisich zugestellt. Es gab sogar Regelungen, das ein Telegramm nachts zwischen 22 Uhr und 6 Uhr morgens zugestellt werden durfte. Dies musste dann natürlich auf dem Telegrammforumlar entsprechend mit „=D= und = NACHTS=“ vermerkt werden. Eine weitere seltene Möglichkeit war das Nachsenden eines Telegramms auf Antrag des Absenders. In diesem Fall wurden dann Nachentgeltvermerke auf dem Telegramm angebracht. Das man ein Telegramm auch postlagernd verschicken konnte, hat den Autor schon etwas überrascht.

 

Um die verschiedenen Telegrammvarianten besser unterscheiden zu können, gab es rechts oben angebrachte farbige Streifen. Auf Vorrangtelegrammen findet man rote Streifen, Brieftelegramme wurden mit einen blauen Streifen gekennzeichnet, Telegramme des Geldverkehrs mit grünen Streifen. Dazu gab es ergänzende Formblätter wie „Benachrichtigung für den Empfänger einer telegraphischen Postanweisung“.

Eine telegraphische Inlandspostanweisung von Windischeschenbach nach Waldkirchen über 2800 DM vom 3. Dezember 1960 mit entsprechender grüner Kennzeichnung rechts obe
Eine telegraphische Inlandspostanweisung von Windischeschenbach nach Waldkirchen über 2800 DM vom 3. Dezember 1960 mit entsprechender grüner Kennzeichnung rechts obe

Eine telegraphische Überweisung konnte nicht nur im Inland sondern auch ins Ausland oder aus dem Ausland nach Deutschland erfolgen, beispielsweise von Schweden nach Deutschland. Dabei war natürlich die Postbank mitbeteiligt. Heute kann man Geld mit Paypal sehr einfach überweisen, sogar in Länder wie nach China.

 Eine internationale telegraphische Postanweisung, hier aus Schweden nach Offenbach aus dem Jahr 1971, da es noch keinen Euro gab, mussten die Kronen erst in DM umgerechnet werden
Eine internationale telegraphische Postanweisung, hier aus Schweden nach Offenbach aus dem Jahr 1971, da es noch keinen Euro gab, mussten die Kronen erst in DM umgerechnet werden

Wie bereits erwähnt, wurde das Telegramm nicht nur telefonisch zugestellt, sondern immer auch physisch. In der Anfangszeit faltete man das übermittelte Telegramm beim Eingangsamt nach der Erfassung, schloss es mit Siegelmarken und ließ es durch Boten dem Empfänger zukommen. Später wurden die Telegramme in besonderen Umschlägen zugestellt, die oft ein Fenster aufwiesen.

Ein Telegramm aus dem April 1948 von Aschberg nach Mettmann zur Auslieferung mit Siegelmarke von der Reichspost verschlossen
Ein Telegramm aus dem April 1948 von Aschberg nach Mettmann zur Auslieferung mit Siegelmarke von der Reichspost verschlossen

Bei den Siegelmarken gab es im Laufe der Zeit vielfältige Änderungen. In der Nachkriegszeit wurde beispielsweise aus Papiermangel in der französischen Zone eine extra eingeführte Siegelmarke „Deutsche Post Französische Zone“ genutzt. Natürlich konnte es auch vorkommen, das ein Telegramm nicht zustellbar war. Selbst dafür gab es spezielle Benachrichtigungsformulare, wo das Telegramm abgeholt werden konnte.

Seltene Telegramm -Siegelmarke aus der Französischen Zone
Seltene Telegramm -Siegelmarke aus der Französischen Zone

Nicht nur die Postkunden haben diesen Dienst genutzt. Die Post selbst nutzte die schnelle Kommunikation intern: Es wurden Dienstsprüche. Amtstelegramme, verschickt. Ein Grund war beispielsweise eine Unzustellbarkeitsmeldung eines nicht zustellbaren Telegramms. Bei SS-Telegramm handelte es sich um spezielle Diensttelegramm der Deutschen Post. Es bezog sich auf alle wichtigen Post- und Fernmeldeangelegenheiten. In dem hier gezeigten SS-Telegramm hatte die Reichspostdirektion Bremen an das Postamt Wilhelmshaven am 10. Februar 1946 wichtige Informationen zum Telegrammverkehr mit der Russischen Zone weitergeleitet. In dieser frühen Zeit wurden Telegramme von Privatleuten allerdings aufgrund eines Gesetzes der Militärregierung Deutschland noch zensiert. Man kann also auf dem einen oder anderen Telegramm aus jener Zeit entsprechende Zensurspuren finden („YL“).

 Ein postinternes Diensttelegramm als SS-Telegramm vom 9. Februar 1946 von der Reichspostdirektion Bremen an das Postamt Wilhelmshaven mit Dienstinformationen zum Telegrammverkehr in die SBZ
Ein postinternes Diensttelegramm als SS-Telegramm vom 9. Februar 1946 von der Reichspostdirektion Bremen an das Postamt Wilhelmshaven mit Dienstinformationen zum Telegrammverkehr in die SBZ

Soweit einige interessante Details aus der Zeit der Telegramme bis zur Wendezeit im Jahr 1989. Das Handy war damals noch unbekannt und kam erst 1992 durch die ersten digitalen Funknetze ins Gespräch. Während in Westdeutschland das Telefon schon weit verbreitet war, sah es in der damaligen DDR anders aus, wo Kunden nur selten ein eigenes Telefon besaßen. Für kurzfristige Absprachen oder die Mitteilung trauriger Nachtrichten, etwa ein Todesfall, stellte das Telegramm innerhalb Deutschlands und weltweit die Versendungsart dar, um die gewünschte Kurznachricht schnell zum gewünschten Empfänger zu überbringen.

 

In den ersten Tagen nach dem 9. November 1989, als die Mauer fiel, herschte mangels Telefone und Handy Hochbetrieb im Telegrammbereich vor allem aus der DDR in die Bundesrepublik. Besuchsankündigungen von Verwandten aus den Osten, wie „Komme Samstag circa 8 Uhr mit Intercity-Zug aus Bebra an, könnt ihr mich abholen“ wurden in großen Mengen verschickt.

 

Im Rahmen der Postreform wurden viele Versendungsformen schrittweise umstrukturiert und im Fall des Telegramms vereinfacht. Längere Zeit gehörte das Telegramm sogar zur Telekom. Erst zum 1. August 1998 wurde es von der Telekom wieder an die gelbe Post zurück gegeben. Daher gibt es hier bis zum 21. Dezember 1998 sogar für das selbe Telegramm innerhalb Deutschlands noch Preisunterschiede in Hohe von 4 DM, die im Rahmen der Wendezeit eingeführt wurden. Dies lässt sich anhand entsprechender Postquittungen belegen.

 

Über entsprechende Benachrichtigungszettel kann man zeigen, das zeitweilig PostExpress für die Zustellung zuständig war. Nebenher erfolgte eine Vereinfachung der Dienstleistung, die sich in der Regel natürlich mit weniger Service bei steigenden Kosten bemerkbar machte.

Ein Benachrichtigungszettel aus der Zeit, als das Telegramm im Bereich PostExpress betreut wurd
Ein Benachrichtigungszettel aus der Zeit, als das Telegramm im Bereich PostExpress betreut wurd

Ab dem 1. März 2003 wurde die separate Zustellung per Boten eingestellt, Eine Ausnahme war die Sontagszustellung, die später aber der Rationalisierung zum Opfer fiel. Nun erfolgte die Zustellung nur noch durch den Briefträger am nächsten Tag. Sie sollte zwar, wenn möglich, persönlich erfolgen, aber in der Praxis war das so gut wie nie der Fall. Am 27. August 2015 wurde eine Wunschzustellung eingeführt, eine wesentliche Verbesserung des Produktes stellte dies aber nicht dar. Eine weitere minimale Verbesserung war die Sendungsverfolgung, die ab dem 1. Juli 2016 eingeführt wurde. Hier wurde aber immer nur der letzte Stand angezeigt und keine wesentliche Verbesserung im Service erreicht Die vorgesehene persönliche Übergabe erfolgte weiterhin sehr selten. Bei dieser Marketingstrategie war der schleichende Tod des Telegramms nur noch eine Frage der Zeit. Da die Anzahl der Telegramme laut Pressemitteilung der Post so gering war, pro Monat nur noch 200 bis 300 Telegramme, entschloss man sich, das Telegramm zum 31. Dezember 2022 einzustellen.

Eines der vielen am letzten Tage, 31. Dezember 2022, verschickten Telegramme mit Sendungsnummer, das aber nur im Briefkasten eingeworfen wurde
Eines der vielen am letzten Tage, 31. Dezember 2022, verschickten Telegramme mit Sendungsnummer, das aber nur im Briefkasten eingeworfen wurde

Diese Einstellung wurde von der Presse überraschender Weise groß aufgegriffen und fast jede Zeitung, Rundfunkanstalt oder Fernsehsender berichtete kurz über die Einstellung. Di6es führte dazu, dass die Anzahl der verschickten Telegramme in den letzten Tagen noch einmal stark anstieg und am letzten Tag plötzlich 3228 Telegramme verschickt wurden. Die Post hat also kurzfristig noch einmal viel verdient für eine dürfte Leistung: Das Ausdrucken eines Schreibens, das Eintüten und das Zustellen über den Briefträger. Bei der Einstellung wurde aber die CSV-Upload Variante der Telegrammaufgabe mit Vordatierung übersehen. So konnte ein Hamburger noch am 4. Januar 2023 ein am 3, Januar ausgedrucktes Telegramm erhalten.

 

Resümee

 

Das Ende des Telegramms als besonders schnelle Nachricht war mangels guten Service für den verlangten Preis schon jahrelang überfällig. Dies erkannten andere Postverwaltungen schon viel früher als die deutsche Post.

 

Unter postgeschichtlichen Aspekten ist das Telegramm ein interessantes Fenster in die jeweilige Zeit. Leider wurden Telegramme selten aufgehoben, während dies bei Briefen die Regel war. Wie die abgebildeten Beispiele hoffentlich zeigen, ist das Thema nicht so langweilig, wie viele denken. Es lässt sich eine nicht alltägliche, schöne Sammlung oder sogar ein Ausstellungsexponat aufbauen. Man findet Telegramme allerdings nicht sofort um die Ecke beim Briefmarkenhändler, sondern muss schon einige Zeit suchen. Dabei ist vorher eine Auswertung der vorhandenen Literatur sehr hilfreich.