
(erschienen in Die Sammlermarke 01/2000)
> hier wird im Anhang die weitere Entwicklung des Frankierserive im Laufe der folgenden Jahre bis zum heutigen Tage dokumentiert und erläutert werden (ist derzeit aber noch in Planung / Aufbau - Link wird aktiviert, sobald die ersten Ergänzungen dazu vorhanden sind) >
Der Frankierservice (FS) ist das Nachfolgeprodukt der Postfreistempelung (PFS), die es seit Ende 1920 gab. Zum 1. Januar 1999 wurde er offiziell bundesweit eingeführt. Anfangs sah es so aus, dass der neue Service nur aus zwei standardisierten Klischees besteht. Aber in der zweiten Hälfte des Jahres gab es immer wieder neue Überrraschungen auf diesem Gebiet zu melden. Diese Vielfalt wird hier erstmals zusammenhängend dargestellt.
Vorläufer des Frankierservice
Im Laufe des Jahres 1996 begann im Briefzentrum 56 (Koblenz) ein befristeter Versuch. Es wurde ein neuer Stempelkopf eingeführt, der statt der Postleitzahl "Entgelt bezahlt" enthielt, das Wertklischee enthielt aber noch entsprechende Wertangaben. Man konnte nun erstmals auch Infopost und Infobriefe als Postfreistempelung einliefern. Dazu mussten aber zwei Einlieferungslisten ausgefüllt werden, einmal für Infobrief und einmal für die Postfreistempelung, um die zehn Mark zu verbuchen. Kurzfristig war es sogar möglich, diesen Stempel als Absenderstempel zu benutzen. Im Spätsommer 1998 wurde der Versuch auf das Briefzentrum 66 (Saarbrücken) ausgeweitet. Hier wurde die bisherige Postfreistempelung mit einem modifizierten Stempel fortgeführt. Der Stempel Briefzentrum 66 blieb, aber es wurde ein interessantes neues Wertklischee eingesetzt, daß dem Frankierservice schon viel näher kommt. Es enthält erstmals keine exakte Wertangabe mehr. Verwendet wurde es sowohl für vollbezahlte als auch für ermäßigte Sendungen. Belege aus der kurzen Versuchsphase sind sehr selten. Zur Erforschung bitten wir um Meldungen der Früh- und Spätdaten dieser Versuchsstempel. Bei beiden Vorläufern war die Stempelfarbe noch rot. Sehr überrascht war ich dann, als ich Ende September den ersten roten Stempelabschlag vom Briefzentrum 28 mit dem neuen Klischee Frankierservice sah.


Änderungen gegenüber den bisherigen Postfreistempelungen
Die Nachforschungen ergaben interessante erste Fakten. Zwei gravierende Änderungen zeichnen diesen Frankierservice aus. Die deutlichste ist die Änderung der Farbe in schwarz. Bei dem Beleg vom Briefzentrum 28 handelte es sich also um eine Panne. Die zweite ist die Änderung des Wertklischees. Es enthält keine exakte Wertangabe mehr. Bei vollbezahlten Sendungen fehlt in der untersten Zeile "Entgelt bezahlt". Existiert diese Zeile, handelt es sich um Infopost oder Infobrief. Es ist nun also auch möglich vollbezahlte Sendungen, aber auch Infopost und Infobrief sowie Postkarten und Infocards zu stempeln. Es handelt sich hier also um eine wesentliche Erweiterung der möglichen Dienstleistung Frankierservice. Dies gilt nicht nur für den Inlandsversand, auch ins Ausland kann dieser Service in Anspruch genommen werden, Standard- und Kompaktbriefe, Postkarten, Infopost und Infobriefe per Land oder Luft weltweit können auch verschickt werden. Dieser Auslandsservice war vorher nur bis auf wenige Ausnahmen einigen wenigen Großkunden mit speziellen Firmenklischees vorbehalten.
Da keine Währungsangabe vorhanden ist, ist das Klischee natürlich auch im Eurozeitalter ohne Änderungen einsetzbar. Durch die Benutztung der schwarzen Farbe können alle im Briefzentrum vorhandenen Maschinen ohne große Umrüstung flexibel eingesetzt werden. Dazu gehören die großen AEG Aufstell- und Stempelmaschinen AM 990 und AM 991 (jetzt Siemens Electrocom) mit über 30 0000 Belegen je Stunde und die noch vereinzelt vorhandenen Klüssendorf- und Naglermaschinen. Erkennbar sind diese Details an den Unterscheidungsbuchstaben. Je nach Hersteller gibt es unterschiedliche Stempelköpfe. Bei Klüssendorf ist es möglich, das Wertklischee wahlweise links oder rechts anzubringen, selbst kopfstehende Klischees sind möglich - bitte melden. Das bisherige zusätzliche Bearbeitungsentgelt ist nun wesentlich besser gestaffelt, als für die alte Postfreistempelung.
Übergangsphase
Ursprünglich sollte der bundesweite Pilotversuch "Frankierservice" schon am 1. Oktober 1998 beginnen. Jedenfalls lagen zu diesem Zeitpunkt schon bei fast allen Briefzentren entsprechende Klischees vor. Bedingt durch eine Verschiebung auf den 1. Januar 1999 kam es zu einer interessanten Übergangsphase. Zum einen wurden versehentlich Frankierserviceklischees in rot als Postfreistempelung abgeschlagen (Kopien gesucht, auch vom bekannten Fall Briefzentrum 28), zum anderen wurde das Klischee irrtümlich als Werbeklischee zur Abstempelung von Marken benutzt (BZ 83 für wenige Wochen und BZ 94 für wenige Tage im Herbst 1998). Aufgrund des zunehmenden Umfangs von Kundeneinlieferungen für den Frankierservice, kommt diese irrtümliche Stempelung von mit Briefmarken freigemachten Sendungen mittlerweile häufiger vor. Es sind schon einige Briefzentren bekannt geworden, wo diese Pannen für einige Stunden oder Tage auftraten - bitte Daten melden.

Außerdem wurden Klischees schon vor dem 1. Januar 1999 zu Testzwecken eingesetzt (BZ 55, BZ 56, BZ 66 November und teilweise Dezember 1998). Vom Briefzentrum 55 gibt es auch einen schwarzen Abschlag Frankierservice mit Stempel mit Postleitzahl von Mainz (Klüssendorf). Ob dieser allerdings eingesetzt wurde, konnte bisher nicht nachgewiesen werden (Kopien und Belege gesucht). Die Späte Unterrichtung der Briefträger, keine Nachgebühr zu erheben, führte zu einigen Startproblemen. Vereinzelt wurde irrtümlich abkassiert. Kurzfristig wurde daher beim BZ 55 und vermutlich auch beim BZ 56 und BZ 66 die rote Farbe benutzt oder sogar wieder die alte Postfreistempelung (Fotokopien aus dieser Zeit zur Erforschung gesucht). Ins Ausland wird es keine Probleme geben, da nur im Falle eines kompletten Taxvermerkes Nachgebühren erhoben werden können.
Die Auswertung des Pilotversuches
Nach diesen ersten Erkenntnissen sollte es also nur je Briefzentrum je vorgesehener Maschine je zwei Klischees für vollbezahlte und ermäßigte Sendungen geben. Überraschender ist aber, daß vereinzelt sogar Belege mit Briefregionsstempel und Frankierserviceklischee bekannt geworden sind (bitte alle melden, danke). Anfangs war es auch nicht überall bekannt oder möglich den Frankierservice für Sendungen ins Ausland zu benutzen. Dies wurde scheinbar erst in einigen Briefzentren getestet und dann auf alle Briefzentren ausgedehnt. Leider fehlen zu diesen Details die entsprechenden internen Anweisungen, um genaue Daten zu nennen. Problematisch ist es für die Post, wenn der Kunde sehr dicke Sendungen über den Frankierservice einliefern wollte. Daher wurde ungefähr Mitte des Jahres 1999 für fünf ausgewählte Briefzentren (BZ 20, 37, 40, 60, 73) je ein Handrollstempel Frankierservice mit und ohne "Entgelt bezahlt" mit integrierten Zählwerk von der Firma Raab Stempelservice GmbH aus Oberursel zu Testzwecken angeschafft.

Diese Firma besitzt übrigens auch einen eigenen Stempel zu Werbezwecken auf Messen. Der Versuch lief erfolgreich und zur Zeit werden alle restlichen Briefzentren mit je einem entsprechenden Handrollstempel ausgerüstet. Dieser stammt aber von dem zugelassenen Hersteller Ernst Reiner GmbH aus Furtwangen. Ob es erkennbare Unterschiede gibt, kann derzeit noch nicht abschließend festgestellt werden.
Zu selben Zeit wurde auch erstmals versuchsweise im Briefzentrum 56 (Koblenz) ein Maschinenstempel Frankierservice mit Posteigenwerbung eingesetzt. Der Versuch wurde erfolgreich abgeschlossen, denn Ende Oktober bekamen alle restlichen Briefzentren je einen neuen Stempelkopf mit und ohne "Entgelt bezahlt" mit Posteigenwerbung für die großen AM 990/91 Stempelmaschinen (vorher AEG - jetzt Siemens). Laut den internen Anweisungen sollen nur noch diese neuen Stempelköpfe eingesetzt werden, die alten Klischees für die AM 990/91 (Stempelkopf und Klischee) dürfte es daher nicht mehr geben.

Weitere Sonderformen
Wie weiter oben schon angedeutet, gab es für große Unternehmen, die viel Auslandspostverkehr haben, versuchsweise ein vereinfachtes Handhabungsverfahren. Genauso wie auch in anderen Ländern besitzen diese Wertklischees keine Angaben über das entrichtete Entgelt, da es hier je nach Firma und Umsatz spezielle Sonderkonditionen gibt. Dies war beispielsweise in Stuttgart und Frankfurt der Fall. Daher wurde diesbezüglich Mitte Mail 1998 ein entsprechender paralleler, unabhängiger Versuch mit je einer neuen Maschine von Ascom Hassler GmbH (BZ 80) gestartet. Nach wenigen Wochen wurde als Gewinner für eine erweiterte Pilotrunde die Firma Stilow ausgewählt, die an dieser ersten Runde gar nicht beteiligt war. Sie lieferte einige Maschinen des Typ SM 85 an ausgewählte Briefzentren im Auftrag der Internationalen Post aus (die Forschung diesbezüglich sind noch im vollen Gange). Diese Briefzentren stempeln in einem Versuch nur für spezielle Großkunden einen zweifarbigen Postfreistempel (blau und rot) auf die eingelieferte Post - teils mit Firmenwerbung, teils ohne Firmenwerbung. Unterscheidungsbuchstaben gibt es bei diesen Maschinen bisher nicht. Dies hat zunächst nichts mit dem Frankierservice selbst zu tun.

Auf alle Fälle kam irgend jemand bei der internationalen Post auf die Idee, diese Maschinen auch wahlweise mit Frankierserviceklischees auszustatten. Daher gibt es nun weitere Sonderformen zu melden. Von diesen wenigen Maschinen von Stilow Typ SM 85 wurde die Hälfte wahlweise auch mit speziellen Klischees "Frankierservice" ausgerüstet. Erkennbar sind diese am anders gestalteten Stempelkopf und bei nicht voll bezahlten Sendungen an dem senkrecht neben dem Klischee befindlichen "Entgelt bezahlt" Vermerk. Eine dieser Maschinen ist sogar mit einer Firmenwerbung (Beiersdorf) ausgestattet. Diese speziellen Kunden benutzen diesen Postservice für ihre Inlands- und Auslandspost. Nach neuesten Erkenntnissen soll es sogar einen Handrollstempel "Frankierservice" mit Firmenwerbung geben (Kopie und Belege gesucht). Damit ist aber noch nicht alles diesbezüglich erfasst. Seit wenigen Tagen wird die Post der Firma Beiersdorf nicht mehr mit der eingangs erwähnten Stilow SM 85 entwertet. Verwendet wird ein etwas geändertes Klischee - es muss sich also um eine andere Stempelmaschine handeln. Kann hier einer der Leser vielleicht weiterhelfen ?

Nach heutigen Stand gibt es noch einen wieteren Sonderfall zu melden. Ein Stempelklischee mit Werbung für den Euro und der Großkundenpostleitzahl der Deutschen Bank. Diese Firma ist nicht im eben erwähnten erweiterten Versuchsbetrieb einbezogen. Es gibt hier eine Sonderregelung im Briefzentrum 60 (Frankfurt). Für die genannte Bank wurden von der Niederlassung verschiedene Pittney-Bowes Stempelmaschinen mit leicht unterschiedlichen Klischee angeschafft (einmal fettere Schrift, einmal schlankere Schrift). Dabei passiert anfangs eine Panne. Irrtümlich wurde der Stempelkopf mit der Bezeichnung Briefzentrum 06 für Halle, statt 60 für Frankfurt geliefert. Diesen Fehler gab es nur wenige Tage auf Belegen zu finden. Das BZ 60 stempelt nur im Auftrag der Deutschen Bank die entsprechende Inlands- und Auslandspost und rechnet diese mit der Bank ab.
Schlußbemerkung
Obwohl hier nur übe einen Ausschnitt der Biefzentren beziehungsweise des neuen Frankierservice und seiner kurzen Entwicklung innerhalb der letzten knapp zwei Jahre berichtet wurde, werden Sie erkennen, wie vielfältig alleine dieser Bereich ist. Weitere Überraschungen mit neuer Werbung von Firmen oder der Post und neuer zusätzlicher Stempelmaschinen von anderen Herstellern mit entsprechenden unterschiedlichen Formen diesbezüglich sind nicht auszuschließen. Ähnliche Entwicklungen gibt es auch auf anderen Teilgebieten bezüglich des Konzeptes "Brief 2000" und den entsprechenden Produktionsstätten "Briefzentrum" zu melden. Achten Sie daher auch als Heimatsammler auf diese Entwicklung, speziell bei den benutzten vielfältigen Stempeln
(Die Sammlermarke 01/2000 - Das aktuelle Magazin für deutsche Briefmarken - herausgegeben vom Infotainment Verlag 48143 Münster)