Eilbrief im Wandel

 

(erschienen im Briefmarkenspiegel 11 - 2001)

 

Von den ersten Anfängen im April 1842 in Preußen bis zur neuesten Änderung zum 1. Januar 2001 hat sich beim Expreßbrief viel geändert. Besonders die vergangenen Jahre sind in mehrfacher Hinsicht beachtenswert. Mit dieser Zusammenfassung wollen wir Ihnen einige dieser Fakten seit 1990 aufzeigen.

Links: Eilpostaufkleber In- und Ausland bis 1997 / Mitte: Briefkastenaufkleber für Benachrichtigung eines Eilbriefs Inland / Rechts: Eilpost-Aufkleber Ausland ab 1998
Links: Eilpostaufkleber In- und Ausland bis 1997 / Mitte: Briefkastenaufkleber für Benachrichtigung eines Eilbriefs Inland / Rechts: Eilpost-Aufkleber Ausland ab 1998

Beim Eilbrief der vergangenen Jahre handelt es sich um eine Zusatzleistung. Allerdings kann man diese nicht in jeder Kombination haben. Beispielsweise war 1990 eine Eil-Drucksache im Inland unzulässig, ins Ausland aber möglch. Der Portostufen-Spezialist freut sich also besonders. Bedingt durch die Deutsche Einheit gibt es hier besonders viele ungewöhnliche Möglichkeiten.

Übersichtstabelle für Entgelte von Eilsendungen am Stichtag 3. Oktober 1990
Übersichtstabelle für Entgelte von Eilsendungen am Stichtag 3. Oktober 1990

Seit dem 3. Oktober 1990 kostete beispielsweise ein Eilbrief bis 20 Gramm innerhalb Deutschlands zwischen 2,50 und 6,00 Mark, je nachdem von wo nach wo er geschickt wurde. Insgesamt gab es allein hier fünf Möglichkeiten. Die billigste von Ost- nach West-Berlin, umgekehrt kostete es 10 Pfennig mehr. Innerhalb West-Berlins mußte man aber 5,60 Mark zahlen. Am teuersten war es innerhalb des Verkehrsgebietes West mit 6,00 Mark. In die neuen Bundesländer kostet es aber nur 3,00 Mark. Ein weiteres Kuriosum war 1991 aufgrund unterschiedlicher Gesetze, daß derselbe Eilbrief vom 1 April bis 30 Juni 1991 von den neuen Bundesländern doppelt so teuer (6 DM) war, als umgekhert (3 DM).

> nachträgliche Ergänzung - ausführliche Details siehe Artikel "Tarifunterschiede auf dem Weg zur postalischen Einheit" - erschienen in "Die Sammlermarke" - Heft 9 - Oktober 1999 - Infotainment Verlag

Da in den folgenden Jahren diese Zusatzleistung immer teurer wurde und gleichzeitig Telebrief und andere Kommunikationsmöglichkeiten immer billiger wurden, fristete die Versendungsform immer mehr ein Schattendasein.

 

Die Reform

 

Dies änderte sich schlagartig 1997 mit Einführung neuer Briefzusatzleistungen und einer schrittweisen Änderung bisheriger Möglichkeiten. Diese Änderungen begannen zuerst mit dem Einschreiben zum 1. April 1997 (BMS 8/97). Die Zusatzleistung Expreß bleibt erst einmal unverändert.

 

Aber schon kurze Zeit später beginnt auch hier mit dem 1. Oktober 1997 die schrittweise Modifikation (BMS 3/98), die Anfang dieses Jahres eine weitere Anpassung erfuhr. Es erfolgte eine Aufspaltung in Inland und Ausland. Die Inlandshandhabung änderte sich in kurzer Zeit stark. Zwar noch mit Briefmarken frankierbar, aber schon mit neuem Label mit Strichcode, war diese Variante nur knapp drei Monate möglich.

 

Abgelöst wurde es durch ein neues Produkt, den Post-Express Brief mit Label aber ohne Freimachung mit Briefmarken. Einige Zeit später wurde auch der Inlands-Wertbrief integriert. Verbunden mit diesen Änderungen wurden auch etliche Details in der Handhabung der Briefe geändert, beispielsweise die Abschaffung der Ankunftsstempel.

 

Zeitweilig gabe es entsprechende Ankunftslabel von EMS, die schrittweise die Eilzustellung übernommen hatte. Neue Quittungen sowohl bei der Aufgabe als auch bei der Zustellung änderten sich in kurzer Zeit mehrfach. Vieles davon dürfte heute schon eine moderne Seltenheit sein, oder haben Sie so etwas aufgehoben ?

 

Ausland

 

Ab dem 1. Janaur 1998 muß ein neuer Expreß-Aufkleber benutzt werden. Die Frankierung mit Marken ist aber weiter vorgesehen. Bei gewöhnlichen Expreßbriefen ins Ausland erfolgte zu diesem Zeitpunkt noch eine Durchgangsstempelung im Auswechslungs-Postamt. Dies ist in der Regel das Internationale Postzentrum Frankfurt am Main (IPZ 1).

 

Benutzt wurden hier immer noch die alten Stempel von der früheren Luftpostleitstelle. Ende März oder Anfang April 2000 wurden die vorhandenen Stempel ersetzt. Die Stempelinschrift lautet „NL BKI FFM 312 – BzB EXPORT“ - im Klartext „Niederlassung Brief Kommunikation International 1 Frankfurt – Dienststelle 312 – Einschreibstelle Export“. Um den 8. Oktober 2000 wurde diese Durchgangsstempelung endgültig eingestellt – ein Arbeitsplatz weniger.

Ungewöhnlicher Durchgangsstempel von Eil-Auslandsbriefen aus dem IPZ 1, der nur kurze Zeit im Einsatz war
Ungewöhnlicher Durchgangsstempel von Eil-Auslandsbriefen aus dem IPZ 1, der nur kurze Zeit im Einsatz war

Erst zum 1. Januar 2001 stand eine weitere Änderung ins Haus: ein neuer Expreß-Label für Auslandsbriefe mit Strichcode, wie der folgende Brief zeigt:

Eilbrief ins europäische Ausland mit dem neuen Strichcode-Aufkleber der Deutschen Post vom 04.01.2001
Eilbrief ins europäische Ausland mit dem neuen Strichcode-Aufkleber der Deutschen Post vom 04.01.2001
Die Rückseite des Eilbriefs nach Dänemark mit einem Ankunftsstempel vom Briefzentrum aus Dänemark
Die Rückseite des Eilbriefs nach Dänemark mit einem Ankunftsstempel vom Briefzentrum aus Dänemark

Die Sendung wird nun zu einer Schaltersendung, es gibt einen Einlieferungsschein. Wesentlich früher schon wurde im August 2000 für eintreffende Sendungen aus dem Ausland eine neue Postsache zur Erfassung des Strichcodes und zum Nachweis der Zustellung eingeführt.